Zehn Teilnehmende, zehn eigene AR-Touren: Praxisworkshop im Havelland

Wie bringt man Geschichte zurück an den Ort, an dem sie passiert ist? Und wie erzählt man sie Besucherinnen und Besuchern, auch wenn gerade niemand vor Ort ist? Genau diese Fragen haben zehn Teilnehmende mitgebracht, als der Tourismusverband Havelland e.V. gemeinsam mit spotAR zum Praxisworkshop „Ihre digitale Stadtführung mit AR“ nach Brandenburg an der Havel eingeladen hat.
25 Prozent Input, 75 Prozent selber bauen
Kein Vortragsmarathon, sondern ein Arbeitstag: Nach einem kurzen Impuls zu Augmented Reality im Tourismus ging es direkt an die Laptops. Unser Grundsatz dabei: AR ersetzt keine Gästeführung und kein echtes Erlebnis – sie erweitert es dort, wo sonst niemand erzählen kann.
Warum WebAR statt App? Weil jede Download-Hürde Nutzer kostet. In Soest haben wir das selbst erlebt: Nach dem Wechsel von der nativen App zur Web-App nutzten rund viermal so viele Menschen die Stadtführung. Ein QR-Code, ein Tipp – und das Erlebnis startet im Browser.

Der Workshop folgte zwei Bausteinen:
- Touren im spotAR CMS: Orte anlegen oder importieren, Texte per KI zusammenfassen, Audio mit natürlichen Stimmen erzeugen, Quiz und Puzzle ergänzen und alles zu einer Route verbinden.
- AR-Portale im spotAR Studio: eine 360°-Welt hinter einer virtuellen Tür, Info-Punkte mit Text und Ton, ein Begleiter als 3D-Figur und automatische Übersetzung ins Englische, Niederländische und Französische.
Echte Ideen statt Beispielprojekte
Das Beste an diesem Tag waren die Vorhaben, mit denen die Teilnehmenden gekommen sind. Gebaut wurde nicht an Musterinhalten, sondern an den eigenen Orten:
- Ein Industriemuseum will abgerissene Werkshallen aus historischen Fotos wieder auf dem Gelände erscheinen lassen.
- Ein Biosphärenreservat plant einen digitalen Ranger, der dort über Schutzregeln informiert, wo kein Ranger vor Ort sein kann.
- Ein Regionalpark möchte den ehemaligen Grenzstreifen mit seinen verschwundenen Häusern erlebbar machen.
- Ein Hotel am Dom will seinen Gästen die Geschichte des Ortes auch nach Museumsschluss erzählen – mehrsprachig und mit einer Domkatze als Begleiterin.
- Ein Kulturverein will das Wissen seines erfahrensten Parkführers festhalten, damit es auch sonntags beim Kaffee jemand erzählen kann.
Alle diese Ideen hätten es mit einer klassischen App schwer. Mit WebAR reicht ein QR-Code am Ort.

Am Ende lief alles auf dem eigenen Handy
Um 15 Uhr hatte jede und jeder eine eigene Tour im CMS und ein AR-Portal mit 360°-Welt im Studio – und beides direkt auf dem Smartphone ausprobiert. Ohne Entwickler, ohne Agentur.
Das Feedback war eindeutig: Alle abgegebenen Bewertungsbögen vergaben die volle Punktzahl, für den Workshop insgesamt wie für die Verständlichkeit. Am meisten gebracht hat laut den Rückmeldungen „das Ausprobieren können“ und die Erkenntnis, „wie schnell und einfach man das auch allein machen kann“.
Der einzige Kritikpunkt kam gleich mehrfach: zu kurz. Das nehmen wir gern als Auftrag.
Danke – und Teil 2 kommt
Ein besonderer Dank geht an Alice Paul-Lunow vom Hotel Brandenburger Dom: für die Gastfreundschaft, eine exklusive Führung durch den Brandenburger Dom und das Dommuseum und einen Abend mit kulinarischen Highlights aus Brandenburg. Danke auch an Matthias Kühn und Josefin Henning vom Tourismusverband Havelland für Einladung und Organisation, an Markus Oel für das CMS-Coaching – und an alle, die nicht nur zugehört, sondern gebaut haben.
Die Teilnehmenden arbeiten in den nächsten 30 Tagen mit ihren Zugängen weiter. Ein Aufbau-Workshop mit noch mehr Praxiszeit ist in Planung.
Sie möchten so einen Workshop für Ihre Stadt, Region oder Kultureinrichtung? Schreiben Sie uns an vik@spotar.io – wir stellen das Format auf Ihre Orte und Ihr Team ab.